Wien, 1.Dezember 2013
Vor ziemlich genau 3 Monaten wurde bei mir auf beiden Augen eine Artisan Linse eingepflanzt. Ich bin 29 Jahre alt, meine Dioptrin vor der Operation bewegten sich im Bereich um 9 Dioptrin (etwa 7 aufgrund normaler Fehlsichtigkeit, +2 aufgrund einer Hornhautverkrümmung).
Der Operation, bzw dem Entschluss zur Operation, gingen jahrelange Überlegungen voraus. In den Medien und auch im Bekanntenkreis ist ja das Lasern und sämtliche Unterformen davon sehr präsent. Auch mein erster Vorstoß ging in diese Richtung. Angelockt von Billigangeboten ließ ich mich von einem Wiener Billig-Institut beraten, das Institut schien mir vertrauenswürdig, die Ärzte kompetent. Die Untersuchung dauerte eine halbe Stunde, das Urteil daraus erfreulich: zwar wäre ich mit meiner Diptrienzahl schon an der Grenze des Laser-baren, allerdings hätte ich eine überdurchschnittlich dicke Hornhaut, daher könnte ich ohne Probleme gelasert werden. Ein Jahr lang überlegte ich es mir, diesen Sommer ging ich dann noch einmal in das besagte Institut, wieder eine halbstündige Untersuchung, wieder dasselbe Urteil: Lasertauglich, wir vereinbarten einen Termin. Als ich einen Tag vor dem vermeintlichen Termin anrief, um Einzelheiten zum Ablauf zu erfahren, erfuhr ich, dass mein Termin nicht eingetragen war und ich sicher nicht am nächsten Tag operiert werden konnte (zum Glück!!!)
Erst zu diesem Zeitpunkt erschien mir das Ganze spanisch, ich beschloss eine Zweitmeinung einzuholen und kam erst so zu Prof.Zirms Institut. Schon bei der kostenlosen Untersuchung durch eine der Mitarbeiterinnen des Instituts kam dann die große Überraschung: Lasern wurde sogar aus zwei triftigen Gründen komplett ausgeschlossen: zu hohe Dioptrienzahl und eine Hornhautverkrümmung (die vom anderen Institut nie erwähnt, also vielleicht einfach übrsehen wurde). Wäre ich gelasert worden, wäre ich überdurchschnittlich großen Risiken ausgeliefert gewesen, oder wie es die Mitarbeiterin von Prof. Zirm ausdrückte: Sie zu lasern wäre fahrlässig, hätten Sie nachher Probleme, könnten Sie uns verklagen! In diesem Sinne ein Ratschlag an alle Überlegenden: immer eine Zweitmeinung einholen, und nicht nur auf die Meinung eines Instituts vertrauen, auch wenn die vielleicht günstiger wären!!
Mir wurde dargelegt, dass in meinem Fall eine Artisan Linse die beste Alternative zum Lasern wäre. Es folgten eine eingehende Untersuchung mit detaillierten Gesprächen mit Prof.Zirm – es ist ihm definitiv eine Herzensangelegenheit, dass potentielle Kandidaten auch verstehen, was er mit ihnen im Sinne hat. Aufgrund der erwähnten Hornhautverkrümmung benötigte ich eine Spezialanfertigung, eine torische Linse, welche eine Wartezeit von 12 hatte.
Die Operation fand dann im September in Innsbruck statt, nach dem üblichen Prozedere, Montag rechts, Dienstag Untersuchung, Mittwoch links, Donnerstag Untersuchung. Donnerstag abend konnte ich bereits allein mit dem Zug nach Wien heimreisen, wo ich am Freitag wieder eine Untersuchung hatte.
Ich gehöre wohl zu den “best case szenarien”, denn ich hatte absolut keine Schmerzen (bei Gesprächen mit Personen, die dieselbe Prozedur in der selben Woche unterliefen, bemerkte ich, dass nicht alle derart schmerzlos durchkamen – auch das sei dazugesagt, aber niemand bereute die OP). Die Operation passiert bei vollem Bewusstsein, auch wenn ich vermute, dass man unter Beruhigungsmittel steht. Es wird der gesamte Körper bis auf das zu operierende Auge abgedeckt, das Auge selbst wird aufgesperrt und mithilfe von Tropfen betäubt (hört sich schlimmer an als es ist, das Aufsperren spürt man kaum). Die häufigste Frage lautet, was passiert, wenn man das Auge bewegt während der Arzt gerade schneidet – ich kann darauf nur antworten: es passiert nix, Prof. Zirm hat eine ruhige und erfahrene Hand. Er gibt auch Anweisungen in welche Richtung man blicken soll und plaudert recht gelassen während der OP vor sich hin bzw mit einem. Sollte man während der OP das Gefühl haben, die Betäubung lasse nach, kann man dies anmerken und es wird nachgetropft. Ich habe während der OP etwas das Zeitgefühl verloren, teilweise hatte ich sogar das Gefühl, kurz weggenickt zu sein – was auch als Zeichen von ziemlicher Entspannung gesehen werden kann. Dann kam recht abrupt der Moment, wo Zirm meint: So geschafft, jetzt stehen Sie bitte auf, meine Assistentin begleitet sie nach oben. Erfolgserlebnis hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch keines, das Auge wurde sofort zugeklebt. Im Aufwachraum war ich fit genug, besorgten Angehörigen eine SMS zu schreiben, danach schlief ich 1-2h. Beim Aufwachen fühlte ich mich fit und war schmerzlos. Es sollten keine Schmerzen mehr dazukommen, bei der ersten OP nahm ich vorm Einschlafen am abend noch prophylaktisch Schmerztabletten, bei der 2. OP am Mitwoch verzichtete ich sogar auf diese. Das Gefühl am Auge ist am ehesten damit zu beschreiben, wenn man eine harte Kontaktlinse drinnen hat, die ein wenig kratzt – auf einem Level, wo man früher überlegte, ob man sie noch mal rausgeben und abspülen soll, oder das Kratzen ignorieren weil man zu faul zum Rausgeben war. – Also wirklich nicht schlimm.
Beim Abnehmen des Verbandes konnte ich gleich relativ gut sehen (links zogen die Fäden im Auge mehr, da hatte ich noch 2 Dioptrien, rechts nur ein halbes). Allerdings ist es schwer zu beschreiben, es fühlt sich nicht an wie “ein halbes Dioptrien” – das Sehfeld war nämlich ungleichmäßig scharf. Wenn ich etwas lesen wollte, musste ich teilweise den Kopf leicht drehen, um “ins scharfe Sehfeld” zu gelangen. Sprich, ich war eigentlich sofort nach Verbandabnahme alltagstauglich, konnte am Abend sogar einen Film schauen, aber immer mit der Einschränkung, den Kopf richtig zu drehen. Unangenehm war eher jeweils ein Auge zugeklebt zu bekommen, und dadurch räumliches Sehen einzubüßen, in dieser Hinsicht ist eine Begleitung durch Angehörigen im Straßenverkehr schon sehr zu empfehlen.
In den darauffolgenden Wochen hatte ich immer wieder gewisse Spiegelungen bei künstlichen Lichtquellen, bei einem Vortrag mit vielen Scheinwerfern wurde mir auch leicht schwindelig. Allerdings wurde dies mit der Zeit schnell weniger. Diese Lichtreflexionen wurden mir als Nebenwirkung auch beschrieben – es ist tatsächlich etwas nervig, aber auszuhalten. Inzwischen merke ich sie nur noch recht selten und in geringem Ausmaß.
3 Wochen nach der OP kamen dann die Fäden heraus, bis dahin hatten sie sich aber bereits soweit gelockert, dass sie das Sehvermögen kaum mehr beeinträchtigten. Das Fädenziehen zwickt ein bisschen, ist aber kaum der Rede wert. Nachdem die Fäden heraußen waren, erholte sich das Auge schnell vollständig. Die Rötungen vergingen ganz, auch unter dem Lid, und die morgendlichen “Sandkörner” im Augenwinkel gingen wieder auf das Niveau von vor der OP zurück.
Es gibt noch zwei Ratschläge, die ich Interessierten geben möchte:
1) wer einen Bürojob hat und viel am Computer arbeitet, sollte sich 2 Wochen Urlaub nehmen – eine für die OP und eine weitere. Ich hatte in der 2.Woche noch große Probleme am Computer zu lesen, es verschwamm dauernd alles. Angeblich ist daran auch gar nicht das Auge schuld, sondern das Gehirn muss sich erst umstellen. Diese Information hötte ich mir schon im Vorhinein gewünscht – es würde helfen, den “Arbeits-Ausfall” durch die OP besser zu planen.
2) Abgesehen von den Schmerzmitteln verschreibt Prof.Zirm in der Operationswoche auch Antibiotika. Als Person mit sensiblem Verdauungssystem stehe ich Antibiotika – wenn nicht dringend notwendig – sehr skeptisch gegenüber. Bei Nachfragen, ob diese denn nun dringend notwendig wären, verneinte Prof.Zirm frei heraus und meinte, sie seien prophylaktisch. Ich bekam die Erlaubnis, es ohne zu probieren und hatte keinerlei Probleme. Ich rate allen, eine prophylaktische Antibiotika Einnahme ebenso kritisch zu hinterfragen.
Das Endergebnis “lässt sich sehen”: es blieben mir pro Auge knapp ein Viertel Dioptrien – ein Wert der im Alltag kaum auffällt, auch Vorlesungen an der Uni kann ich gut folgen. Ich bin wirklich froh, die OP gemacht zu haben, und besonders froh bin ich, dabei in den richtigen Händen gewesen zu sein – Prof. Zirm ist eine wirkliche Koryphäe in seinem Gebiet und nebenbei auch ein sehr angenehmer Mensch mit einem ganz eigenen Humour – mein Dank gebührt ihm und seinem gesamten Team.

Ps: das Foto zeigt mich direkt am Tag der Verbandabnahme – bei der OP war leider ein Äderchen geplatzt, dadurch das rote Auge. Es sieht zwar wild aus, tut aber nicht weh und verging komplett innerhalb von 2 Wochen.

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